Ein Jahr - 2070 (Zweitausendsiebzig)
Ein pogo-anarchistischer Roman
Als im München des Jahres 2070 ein grausamer Mord geschieht, ist es Geheimpolizist Thomas Lewro, der zur Aufklärung an den Tatort eilt. Zusammen mit seinem Partner versucht er den Fall aufzuklären. Sie verstricken sich immer tiefer in ein Geflecht von geheimen Orden, skurrilen Verschwörungen und der eigenen Ideologie, niemals mehr in die Abgründe einer bluttriefenden Vergangenheit zurück zu fallen. Erst ein Anschlag auf den Ermittler und eine nervenaufreibende Zeit im Festgehaltenentrakt lassen ihn eine finale Entscheidung treffen, welche die ganze Welt verändern könnte.
264 Seiten, 17.50 € (davon 4.30 € in die APPD-Kasse)
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Der Autor über sein Meisterwerk:
Ist es der uralte, mystische Kampf zwischen Gut und Böse, der hier gefunden werden kann? Ich würde sagen: Ja. Doch die Suche gestaltet sich nicht einfach, weil das Böse ein allzu menschliches Gesicht trägt. Es ist die Angst vor einer möglichen Gefahr und die daraus resultierende Unvernunft der folgenden Handlungen. Immer, wenn Ideale geopfert werden, wenn Unabhängigkeit und Freiheit verloren gehen, erstarkt das Böse.
(Georg Thalmeier)
LESEPROBE:
Diese Geschichte spielt im Jahr 2070, und heute müsste ich eigentlich ein alter Mann sein. Vielleicht bin ich aber auch schon gestorben, im Jahr 2070, meine ich. Ich weiß es nicht. Sicher bin ich mir, dass ich in besagtem Jahr genau einhundert Jahre alt sein werde. Ob nun tot oder lebendig. Wie auch immer. Sicher bin ich mir aber vor allem, dass diese Geschichte meinen Tod überdauern wird. Es wäre dabei gut möglich, dass sie von vielen Menschen gelesen wird, und es wäre weiterhin möglich, dass viele Menschen glauben werden, ich hätte diese Geschichte bereits im Alter geschrieben. In einem hohen Alter, das ausschließlich aus Verwirrung, Irrglauben und Phantastereien bestand. Ich kann Sie beruhigen, liebe Leser, so ist es. Sie haben Recht. Fast jedenfalls. Sie halten in diesem Moment tatsächlich meine Phantastereien in der Hand. Und diese sind ein Produkt meiner Verwirrung und meines Irrglaubens. Ich wäre ein Lügner, würde ich etwas Anderes behaupten. Nur mit einer Ausnahme, dass ich nämlich heute erst annähernd vierzig Jahre alt bin und noch kein alter Mann, obgleich ich mich dabei oft als solcher fühle. Geistig, versteht sich. Müde vom zu vielen Nachdenken und gestresst vom Philosophieren mit dem Wind. Meine Phantasie mag noch einleuchtend sein, gibt es doch eine kaum überschaubare Menge an niedergeschriebenen Zukunftsvisionen. Aber wie verhält es sich mit meiner Verwirrung und meinem Irrglauben, die mich veranlasst haben, die folgende Geschichte zu verfassen? Nun, bereits seit langer Zeit bin ich verwirrt. Nicht erst seit gestern Früh. Bereits vor langer Zeit verlor ich meinen Glauben. Nicht erst seit gestern Mittag. Seit Anbeginn meines Lebens phantasiere ich. Nicht erst seit der Erkenntnis, dass der Abend meines Lebens unaufhaltsam näherrückt. Ein Abend, eine Zukunft, die ich meinen Kindern ein wenig besser hinterlassen möchte, als ich sie erlebt habe und jeden Augenblick meines dahinschreitenden Lebens erlebe. Meine Verwirrung ist chronisch und damit verbunden, dass ich in ein System hineingeboren wurde, in dem Arbeit als höchstes Gut überhaupt galt. Auch mir wurde von klein auf gelehrt, meine Lebenszeit zu einem Spottpreis verkaufen zu müssen, um in diesem System überhaupt überleben zu können. Mit Schrecken musste ich im Laufe meines Lebens erkennen, dass diese Ideologie einer „Knechtschaft der Arbeit“ leider voll und ganz der Wahrheit entsprach. Darüber hinaus habe ich meinen Glauben in die heute Mächtigen und Regierenden, die allmächtige Obrigkeit, längst verloren. Vor allem wuchsen das Wissen und die Erkenntnis, dass es niemals die Menschen waren, die zählten. Ein Menschenleben bedeutete ihnen nichts, auch wenn es von Seiten der Regierenden stets anders dargestellt wurde. Staatlich verordneter Terror, Krieg und Gewalt bestimmten das Leben auf unserem Planeten. Dabei geschah niemals der Wille der Völker, wenn Kriege, Terror und Verbrechen stattfanden. Es handelte sich ausnahmslos um künstlich gesteuerte und provozierte Konflikte, die mit der Erzielung von Macht, Geld und Einfluss einhergingen. Alle Systeme waren zum Scheitern verurteilt. Jede Staatsform. Von der Anarchie bis zum Kapitalismus. Und es lag nicht an den Menschen selbst. Die Schuld war bei den Regierenden und den Konzernen zu suchen, die tatsächlich die Fäden zogen, bestimmten und regierten. Vor allen Dingen leisteten Arbeiter Sklavendienste, in einem niemals zuvor da gewesenen Ausmaß. Und niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit herrschte eine derartig große und unschlagbare Armee aus in den Beamtenstatus erhobenen Machtmenschen über den größten Teil der Bevölkerung. Der Begriff der „Arbeiterin“ und des „Arbeiters“ wurde noch nach der Jahrtausendwende, etwa um das Jahr 2000, hauptsächlich in den gescheiterten sozialistischen und kommunistischen Systemen verwendet. Anderswo kam der Begriff schon fast einem Schimpfwort gleich. Ein Schimpfwort in der Sprache der Herrschenden, die das Volk natürlich zu sprechen und auch zu schreiben verdammt war. Für Menschen, die gegen eine Entlohnung, also für Geld arbeiten mussten und damit durch den Staat sehr leicht erpressbar waren, wurden diverse Wortschöpfungen kreiert. Begriffe wie etwa Gewerbetreibende, Selbstständige, Angestellte oder auch Beamte. Alle waren sie von der Willkür ihrer erpresserischen Arbeitgeber abhängig. Oder, wie bei Beamten, die ihre Seele verkauften, vom korruptesten Dienstherrn, der jemals über Menschen herrschte. Diese mich ständig umgebenden Tatsachen verwirrten mich, und ich nahm mir die nötige Zeit, um nachzudenken. Mit jedem Tag, mit jeder Meldung in den manipulierenden Nachrichten der bluttriefenden Tagespresse gediehen meine Ideen, eine fiktive Gesellschaft zu erschaffen. Eine Gesellschaft mit einem ebenso fiktiven System. Einem guten System. Einem von Menschen für Menschen erdachten System und der Ideologie des Individuums, nicht dem einer auserwählten herrschenden Minderheit an wahren Unmenschen. In der Welt, in die ich im Jahre 1970 hineingeboren worden war, bestanden die hauptsächlichen Faktoren der anerzogenen Weltanschauung vornehmlich aus Eltern, Kirche, Politik, Gesellschaft und Schule. Sehr einfach dargestellt natürlich. Ein von derartigen Manipulatoren erhaltenes Weltbild anzukratzen oder gar gänzlich zum Einsturz zu bringen, ist kaum möglich. Einen Versuch aber ist es allemal wert. Man möge mir die Arroganz verzeihen, betrachte ich mich doch in vielen Punkten, mein Wissen und meine persönliche Ideologie betreffend, als Rebell. Als Freiheitskämpfer. Ich will eine bessere Zukunft und würde mein Leben dafür geben, diese allen Kindern der Welt zu ermöglichen. Allen erwachsenen Menschen wünsche ich im Gegenzug, sich vom allmächtig gebärdenden Fortschrittsglauben, vor allem aber von jeder anerzogenen Untertänigkeit eilends zu lösen. Die Vergangenheit ist Geschichte. Leider wird aber stets vergessen, dass auch heute, in gerade diesem Moment, Geschichte geschrieben wird. Lernen wir aus der Geschichte und gehen wir vor allem mit offenen Augen durch die Welt. Täten wir es nicht, wären die Folgen fatal. So könnte es bereits in wenigen Jahren unseren Kinder dämmern, dass selbst unsere Köpfe, die Köpfe ihrer eigenen Eltern, damals besiegt gewesen waren. Wir, die wir nichts gegen das Unrecht taten, wären dabei noch um Vieles elender dran als alle geschlagenen Rebellen auf dem Schafott, die sich dagegen in ihrem Bewusstsein freihielten. Geben wir wenigstens unsere Meinung, unseren freien Geist und unseren unbrechbaren Willen an die Kinder weiter. Erzählen wir ihnen von unserem inneren Aufbegehren gegen die Willkür der herrschenden Machthaber. Reichen wir zumindest unsere Hoffnung auf Besserung der vorherrschenden Zustände weiter und erzählen wir von unseren Triumphen gegen die Obrigkeit. Die Zukunft gehört uns allein.
Sommer des Jahres 2006